Passionsandacht zu Gegenständen der Passion: „Tafel über dem Kreuz“

Liebe Gemeinde! Liebe Leserinnen und Leser!

Die Tafel über den Kreuz Jesu kennen wir von Bildern oder Kinofilmen. Meist lesen wir da die Buchstaben INRI. Dies ist die lateinische Abkürzung von „Jesus von Nazareth König der Juden“. Doch in Wirklichkeit waren es sogar 3 Aufschriften, und zwar in hebräischer, lateinischer und in griechischer Sprache! So lesen wir bei Johannes in Kapitel 19, 20. Er musste es ja wissen, weil er unter dem Kreuz stand. Es ist spannend, hier Insider-Wissen zu erhalten.

Johannes gibt in seinem Evangelium einen Streit wieder, der sich zwischen den Hohepriestern und Pilatus entspannt. Die Hohepriester stören sich an der Inschrift INRI über dem Kreuz. Darum bitten sie Pilatus: „Schreib nicht: Der König der Juden, sondern, dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden.“

Doch Pilatus bleibt bei seinem Entschluss: „Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.“ Es ist ein großer Unterschied, ob über dem Kreuz zu lesen ist: „Jesus ist der König der Juden“ oder: „Er hat behauptet, der König der Juden zu sein.“ Die Hohepriester brauchten einen Vorwand, Jesus loszuwerden. Er hatte mit der Tempelreinigung ihre Autorität untergraben. Damit musste Jesus weg. Dass Jesus behauptet haben soll, ein König von Israel zu sein, war ein Grund, ihn ans Kreuz zu liefern - auch wenn dieser Grund ein vorgeschobener war: Er war ausreichend, ein Todesurteil über Jesus zu fällen. Nur Pilatus als der römische Statthalter konnte den Tod Jesu am Kreuz anordnen. Eigentlich wollte er das nicht, denn er fand keine Schuld an Jesus. Aber schließlich gab er dem Drängen der Hohepriester und der Masse, die den Tod Jesu forderte, nach. Er wusch seine Hände in Unschuld und ließ Jesus kreuzigen. Für ihn war die Sache damit erledigt. Auch die Tafel über dem Kreuz sollte in seinen Augen so bleiben, wie sie war. Schluss. Aus. Basta.

Damit wird auf wunderbare Art und Weise deutlich, dass Jesus durchaus ein König gewesen ist, auch wenn er nie als solcher regiert hat. Sein Königtum ist ein anderes, als man es sonst kennt. Jesu wollte nie einen Thron besteigen. „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, äußerte Jesus deshalb an anderer Stelle. Jesu Maßstäbe zu regieren sind andere als sonst üblich. Er will, dass Frieden, Liebe und Glauben unter den Menschen herrschen. Die Bergpredigt, die Gebote und das Vaterunser haben für ihn universale Geltung. Wer sich daran hält, fährt gut durchs Leben. 1.000 Gesetze und Paragraphen sind für Jesus nicht nötig. Jesus nimmt die Menschen so an, wie sie sind. Er macht keine Unterschiede, so dass einige bevorzugt würden. Allen Menschen gilt seine Liebe – ohne Vorbehalte und Einschränkungen.

Solch einen König hat es noch nie gegeben. Jesus ist ein König der besonderen Art. Denn er regiert nicht nur ein Volk, sondern das gesamte Universum. Jede und jeder kann zu ihm kommen. Und jeden lädt Jesus zu sich ein. Sein Geschenk der Liebe gilt für alle. Wir brauchen nur freudig mit Ja einzustimmen und Jesus nachzufolgen. Wir werden nicht enttäuscht werden, denn als der gute Hirte ist Christus immer an unserer Seite.

Was auch kommen mag in dieser Zeit der Corona-Pandemie: Wir sind nicht allein! Jesus stärkt uns, ermutigt uns und begleitet uns auf allen unseren Wegen. Amen.

Seien Sie behütet!

Ihr Pfarrer Martin Gohlke

(01.04.2020)